Kinderschutzpreis Juni 2005: Helden des Alltags - everyday heroes

 
Die HS10 hat den hoch dotierten Kinderschutzpreis gewonnen! Die Preisverleihung fand im Rahmen der kidsparade am 26. Juni um 13:00 (am Hauptplatz bzw. im Volksgarten) in Linz statt.

Am 16. September fand eine Ehrung durch
Landesrat Ackerl an unserer Schule statt.
Er spendierte uns ein großartiges Buffet.

Wir haben einige Fotos gemacht.

 

Projektbeschreibung: Helden des Alltags - everyday heroes
Die Ausgangssituation:
Viele Kinder, die die Hauptschule Kleinmünchen besuchen, kommen aus schwierigem sozialem Umfeld. Oft sind sie schon in früher Kindheit mit Gewalt und Gewaltbereitschaft konfrontiert. Durch die multikulturelle Erfahrungswelt (Kinder aus Flüchtlingsländern, aus Kriegsgebieten,...) und die unterschiedlichen familiären Strukturen (Wie geht man mit Gewalt in der Familie um?) entstehen häufiger als in anderen Schulen, gerade in der Schuleintrittsphase vermehrt Konflikte. Im Computer- und Videospielzeitalter lernen die Kinder, Konflikte meist auf der Ebene der Gewalt zu lösen. Da dies im Klassenverband zu Problemen führen kann, haben die Lehrer der jetzigen ersten Klassen besonders festgestellt. Die 1a, ihr stellvertretender Klassenvorstand Hans Essbichl und der Betreuungslehrer der Hauptschule Kleinmünchen Christian Kirchsteiger habe sich daher entschlossen, mit einem engagierten Projekt an dieses Problem heran zu gehen. Das Motto „Gewalt darf nicht totgeschwiegen werden - vom Lamentieren zum Agieren!”
Wie ist das Konzept aufgebaut?
Das Projekt beginnt in der ersten Klasse und zieht sich wie ein roter Faden durch die Hauptschulzeit. Dabei werden folgende Schwerpunkte gesetzt:
• Erste Klasse: Kommunikations- und Konfliktarbeit, Schwerpunkt Mediale Gewalt - Jugendschutz
• Zweite Klasse: Aufbau von Peermediatoren für alle 2. Klassen - Konflikttraining
• Dritte Klasse: Jugendschutzvorträge seitens des Landes OÖ, Projekt „Out - die Außenseiter” mit Beauftragten der Bundespolizei
• Vierte Klasse: Workshop Jugendkriminalität, Suchtpräventionstage (Schulärztin, Betreuungslehrer), Schuldnerberatung, Selbstverteidigungskurse für Mädchen

Der Schwerpunkt der Konfliktarbeit der 1a:
In vielen Klassen- und Einzelgesprächen kamen immer wieder Situationen zu Tage, die die Kinder mit Gewalt gelöst haben. Um den SchülerInnen ihr Konfliktverhalten bewusst zu machen und vor Augen zu führen, wählten wir das Rollenspiel als geeignetes Mittel.
Den SchülerInnen wurden kurze Rollenbeschreibungen in Gruppen zugeteilt, die eine kurze Konfliktgeschichte aus ihrem Alltag darstellt. Diese Geschichte lässt das Ende offen, sodass die SchülerInnen ihre eigene Erfahrungswelt einbringen können.
Schon während der ersten kurzen Anspielphase bemerkten wir, dass viele Kampfszenen ihren Hintergrund in der medialen Gewalterfahrung finden. Aus den vielen Spielsequenzen entstand ein Kurzvideo, das ganz bewusst ohne Ton aufgenommen wurde.
In der zweiten Phase des Projekts wurde den SchülerInnen dieses Kurzvideo gezeigt und mittels Fragen gemeinsam analysiert. Die Fragen waren:
• Zu welchem Zeitpunkt eskalierte der Konflikt?
• Wer waren die Täter, wer die Opfer?
• Gab es Streitschlichter bzw. Retter?
• Vergleiche von Gewaltvideos und unserem Video

In der Analyse zeigten die Kinder nach anfänglichem Vergnügen und allgemeiner Heiterkeit große Betroffenheit. Viele der Szenen zeigten ohne Ton eine Ernsthaftigkeit der Lage und handelnden Personen. Mit den Ergebnissen der Fragen erläuterten wir gemeinsam die Darstellung (Täter-Opfer-Retter-Dreieck) und die Wirksamkeit einer Konfliktlösung ohne Gewalt.
Mit den Schülern wurden gewaltfreie Konfliktlösungen durchgespielt und an folgenden Grundsätzen festgemacht:
• Ein freundliches Gesicht - ein Lachen verhindert schon im Ansatz eine Eskalation
• Zuerst Sprache, dann Handlung - d.h. in vielen Situationen zuerst Nachfragen des Gemeinten und erst dann handeln.

Die Kinder zeigten sich nach diesen Stunden sehr betroffen darüber, dass sie selbst nur Gewaltlösungen als Ausweg für diese augenscheinlich harmlosen Konflikte gefunden hatten.
Weiterführende Arbeiten in den nächsten Wochen:
• Schwerpunkt Medienerziehung - Verharmlosung der Gewalt in Videofilmen und Computerspielen
• Konflikttraining auf Basis der emotionalen Kontrolle
• Erklärung und Einführung in die Mediationsarbeit

Das Jugendschutzgesetz regelt nur ganz konkrete Anlässe der jugendlichen Gefährdung. In unserer Arbeit mit den Kindern stellt sich hier der Rahmen des Jugendschutzgesetzes sehr klar dar. Dies ist ein Rahmen, der gerade auch im außerschulischen Bereich in der Verantwortung der Familie liegt, aber oftmals auch in die Schule hineinspielt.
Die Initiatoren sehen es als Mitverantwortung den SchülerInnen gegenüber, ihnen eine Basis für eine gesunde Zukunft mitzugeben.